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„Wie wollen wir in Zukunft leben?“

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Für Update gewannen Michael Steinbrecher und Rolf Schumann den getAbstract International Book Award 2015. Wir haben die Gelegenheit genutzt für ein kurzes Interview mit den beiden Autoren.

getAbstract: Lässt sich die Dynamik von Big Data überhaupt noch aufhalten?

Michael Steinbrecher und Rolf Schumann: Nein, Big Data lässt sich nicht aufhalten. Big Data ist bereits da. Es ist eine „leise“ Revolution. Leise deshalb, weil viele Menschen die Tragweite der Entwicklung noch nicht sehen. Big Data wird unser Leben verändern, auf fast allen Ebenen. Im Beruf, in der Medizin, in der Art, wie wir wohnen, mobil sind und miteinander kommunizieren. Und natürlich auch in der Frage, was wir unter „Sicherheit“ verstehen. Deshalb ist es umso wichtiger, sowohl die Verheißungen als auch die dunklen Seiten von Big Data zu erkennen. Wir alle müssen uns fragen: Wie wollen wir in Zukunft leben?

getAbstract: Welche Handlungsmöglichkeiten bleiben überhaupt?

Michael Steinbrecher und Rolf Schumann: Wir dürfen es nicht zulassen, dass große Unternehmen Big Data ungebremst zur Gewinnmaximierung nutzen. Wir brauchen einen verantwortungsvollen Umgang mit der neuen Datenwelt. Unternehmen, die das berücksichtigen, können in Zukunft ein Kapital aufbauen, das wertvoller ist als andere Ressourcen: Vertrauen. Die Politik sollte sich nicht nur darauf beschränken, der Entwicklung hinterher zu laufen. Sie sollte – und das ist bisher viel zu wenig geschehen – auch eine Verpflichtung darin sehen, die Menschen aufzuklären über das, was auf sie zukommt. Im Journalismus muss es uns schließlich im Dialog mit den Usern, Zuschauern und Lesern besser gelingen, die Relevanz des Themas über den Aspekt der Datensicherheit hinaus zu vermitteln.

getAbstract: Wenn Sie hinsichtlich der Erhebung und Nutzung von Big Data eine Maßnahme durchsetzen könnten, welche wäre das?

Michael Steinbrecher und Rolf Schumann: Es wäre wünschenswert, die Algorithmen für die Analyse der Daten offenzulegen. Vor allem durch branchenspezifische Erkenntnisse könnten diese Algorithmen auch in anderen Bereichen angepasst werden. Dies ist die Grundlage zur Schaffung von Vertrauen und Transparenz.
Leider ist dies derzeit aus wirtschaftlicher Sicht nicht umgesetzt. Firmen möchten durch ihre Algorithmen einen strategischen Vorteil erlangen, statt die Erhebungen und Analyse der Daten mit der Außenwelt zu teilen.

getAbstract: Stellen Sie sich vor, Sie laden mit Ihrem Smartphone eine neue App herunter und werden gebeten, diverse Daten freizugeben sowie den Nutzungsbedingungen zuzustimmen. Was tun Sie?

Michael Steinbrecher und Rolf Schumann: Ich suche nach einer App, die das gleiche kann, aber mit meinen Daten so vertrauensvoll umgeht, wie ich das in diesen Zeiten erwarte. Ansonsten verzichte ich auf die App. Und dieses Verhalten wird dazu führen, dass nur noch Apps, die transparent mit Daten umgehen, sich in der breiten Masse durchsetzen werden. Es gilt, eine neue Basis für den Umgang mit Daten zu schaffen.

getAbstract: Ob dies gelingen wird, ist allerdings die Frage. Beispielsweise scheint der Hype um die Piratenpartei schon vorbei zu sein. Ist dies ein Anzeichen dafür, dass die Sensibilität für Datenschutzthemen in den letzten Jahren abgenommen hat?

Michael Steinbrecher und Rolf Schumann: Nein. Die Sensibilität wird noch größer werden. Dies muss zumindest unsere Hoffnung sein. Ungeachtet dessen, dass der Begriff „Privatsphäre“ von jeder Generation anders interpretiert wird, brauchen wir ein erhöhtes Datenbewusstsein. Ansonsten steuern wir auf eine ferngelenkte Welt zu und merken es nicht einmal.

getAbstract: Welche Erwartungen, Hoffnungen oder Befürchtungen haben Sie, was den Umgang der Generation Y mit Big Data angeht?

Michael Steinbrecher und Rolf Schumann: Wir reden über die erste Generation der Digital Natives. Die Hoffnung ist, dass sie das Y in Generation Y englischsprachig als „why?“ interpretieren: „Warum“ soll ich meine Daten freigeben? Warum will dieses Unternehmen diese Informationen von mir? Aber auch: Warum soll ich mich dieser technologischen und gesellschaftlichen Veränderung entziehen? Wir brauchen in Zeiten des dynamischen Wandels auch die Reflexion darüber, was gerade passiert. Wir hoffen und erwarten, dass die Generation Y diese Debatte bereits in den nächsten Jahren verstärkt mitprägt. Die Befürchtung ist, dass diese Reflexion im Schatten der globalen Marketingkraft der Big Player untergeht. Große Unternehmen wie Apple stilisieren jedes neue Tool sehr geschickt zu einem unverzichtbaren Teil unseres neuen Lebensstils. Wir müssen aber Kosten und Nutzen jeder Innovation gleichermaßen sehen. Wir sind optimistisch, dass sich eine solche Kultur mehr und mehr entwickelt.

getAbstract: Wie sehen Sie die aktuelle Debatte um den Videobeweis im Fußball? Was steht hinter der Ablehnung und wird der Videobeweis trotzdem kommen?

Michael Steinbrecher und Rolf Schumann: Der Videobeweis wird kommen. Unsere Forschung zeigt zwar, dass es unter Verantwortlichen wie unter Fans eine konservative Gruppe gibt, die gegen Änderungen ist. Der Kernsatz: „Fußball ist ein einfaches Spiel und so soll es bleiben“. Diese Ablehnung ist ein letztes Aufbäumen einer Klientel, die den Fußball auf dem Stand der 70er-und 80er-Jahre konservieren möchte. Aber selbst populäre Sportarten wie American Football zeigen, dass sich der Videobeweis ohne Probleme in den Sport integrieren lässt.

 

 Update
Warum die Datenrevolution uns alle betrifftMichael Steinbrecher und Rolf Schumann
Campus, 2015

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