Und die Finalisten sind…

gA-2015-IBA-Nominees-GER-Blog

Es ist so weit. Weißer Rauch steigt auf in den Sommerhimmel über Luzern. Das redaktionelle Konklave von getAbstract hat nach reiflicher Überlegung seine Entscheidung gefällt. Und hier ist sie – die offizielle Shortlist für den 15. getAbstract International Book Award, den wir im Oktober anlässlich der Frankfurter Buchmesse an die zwei aus unserer Sicht herausragendsten Titel der Bereiche Wirtschaft, Business, Gesellschaft und Politik verleihen werden. Auf der Liste stehen in diesem Jahr:

Die neue Ordnung des GeldesDie neue Ordnung des Geldes von Thomas Mayer, erschienen im FinanzBuch Verlag

Thomas Mayer, der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank übt hier Fundamentalkritik an der gegenwärtigen Geldordnung mit ihren schier unbegrenzten Möglichkeiten der Kreditgeldschöpfung. Mayer sieht hierin die Ursache für das Versagen der Märkte, zuletzt zutage getreten in der Finanzkrise von 2007. Wenn keine grundlegende Reform erfolge, sei der große Crash vorprogrammiert. Die aktuellen Strategien zur Bekämpfung der Krise vergleicht er mit der Methode, den morgendlichen Kater mit einem Drink zu bekämpfen – beide würden in eine verhängnisvolle Abwärtsspirale führen. Doch Mayer begnügt sich nicht mit Kassandrarufen, sondern lässt der Analyse seinen Lösungsvorschlag folgen: ein Aktivgeldsystem, in dem die Geldschöpfung an real existierende Vermögen gebunden ist.

Die Schulden im 21. Jahrhundert Die Schulden im 21. Jahrhundert von Daniel Stelter, erschienen als Frankfurter Allgemeine Buch

Die Schulden im 21. Jahrhundert ist eigentlich zwei Bücher in einem: Stelter fasst den Inhalt von Thomas Pikettys Bestseller Das Kapital im 21. Jahrhundert zusammen und bietet dann seine eigene Sicht zur Krise in Europa an. Er bestreitet nicht, dass die Vermögen in den westlichen Gesellschaften heute in einem Maße konzentriert sind, das zur Lähmung der globalen Wirtschaft beiträgt. Er verschiebt jedoch in seiner eigenen Analyse der Krise den Fokus auf den Faktor Schulden. Stelters Buch nimmt sich mit 150 Seiten neben Pikettys Wälzer aus wie ein Motorboot neben einem Containerschiff, ist aber in Wirklichkeit ein PS-starker Hochseeschlepper, der den Ozeanriesen in den Hafen der Verständlichkeit bugsiert.

Sie wissen allesSie wissen alles von Yvonne Hofstetter, aus dem Verlag C. Bertelsmann/Random House

Yvonne Hofstetters Warnung vor den aktuellen Entwicklungen, die man zusammenfassend als Big Data bezeichnet, kann man gar nicht ernst genug nehmen. Als Insiderin weiß sie genau, wovon sie spricht. Die Geschäftsführerin von Teramark Technologies ist selbst an vorderster Front mit der Analyse jener gewaltigen Datenmengen befasst, in denen mancher das Gold des digitalen Zeitalters sieht. Laut Hofstetter droht jedoch im Zuge dieser Entwicklung nicht nur der Verlust unserer Privatsphäre, sondern auch eine Umkehr des Rollenverhältnisses zwischen Mensch und Maschine. Die Autorin malt in realistischen Farben das Bild einer nicht allzu fernen Zukunft, in der es womöglich zu spät sein wird, den nach der Macht greifenden Maschinen noch den Stecker zu ziehen.

Update Update von Michael Steinbrecher, Rolf Schumann, erschienen im Campus Verlag

Hier geht es noch einmal um die Chancen und Gefahren von Big Data. Der bekannte TV-Journalist Michael Steinbrecher und der Datenexperte Rolf Schumann nähern sich dem Thema allerdings ein wenig mehr von der essayistischen Seite. Doch auch ihre Analysen sind höchst kompetent und äußerst lesenswert. Zahlreiche Experteninterviews sorgen zudem für einen umfassenden Blick auf das Thema und bieten zumindest eine Ahnung davon, wie der Menschheit das Kunststück gelingen kann: die Vorteile von Big Data nutzen, aber Freiheit und Selbstbestimmung nicht aufgeben.

Wer falsch rechnet, den bestraft das Leben Wer falsch rechnet, den bestraft das Leben von Christian Hesse, erschienen bei C. H. Beck

Quasi ein dritter Ansatz zum Thema. Oder zumindest ein bisschen davon. Dem Mathematikprofessor Christian Hesse geht es vor allem um Fehlerquellen bei der Interpretation großer Datenmengen. In seinem Buch erläutert er die fiesesten Statistikfallen und die Möglichkeiten, diese zu umgehen. Hesses Darstellungsmethode ist das Gedankenexperiment. Er führt vor, dass vieles, was intuitiv richtig erscheint, sich beim Nachrechnen als falsch entpuppt. Da bereits heute viele Maßnahmen in Politik und Wirtschaft auf datengestützten Prognosen beruhen, kann Hesses Beitrag zur Gewährleistung verlässlicher Entscheidungsgrundlagen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Welche beiden dieser fünf allesamt preiswürdigen Titel schließlich das Rennen machen werden, erfahren Sie dann am 14. Oktober. Wir halten Sie selbstverständlich auf dem Laufenden. Bis es so weit ist, können Sie ja schon mal unsere Zusammenfassungen der nominierten Bücher studieren.

%d Bloggern gefällt das: